Mittwoch, 9. Dezember 2015

Regen, Schlamm, Sonnenschein

Mein Start in die Wälder ist von schlechtem Wetter geprägt. Ich laufe schon bei leichtem Regen los. Auf den ersten Kilometern ist das ja noch angenehm, denn alles führt über eine Straße zum ersten Trail in den Wald. Herekino Forest wird dieser erste Abschnitt genannt. Es läuft anfangs recht gut und ich komme schnell vorwärts. Die sinnlose Idee die Schuhe trocken zu halten, gebe ich schnell auf. Ich fühle mich wieder wie in Vermont auf dem AT. Nur ist der Schlamm hier noch in einiges schlimmer. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Schlamm mir die Schuhe regelrecht auszieht. Und dann ist es natürlich rutschig. Mehrere Male haut es mich einfach um.
Endlich in Kerikeri angekommen gibt es wieder richtig zu essen und eine Dusche. Plötzlich steht "Bloody Mary" in meiner Unterkunft. Ich habe sie bereits am Ende der 90mile beach kurz angetroffen. Sie ist aus California und hat bereits den Pacific Crest Trail und den Pacific Northest Trail gelaufen. Ich habe sogar einmal einen Artikel in Internet von ihr über den PNT gelesen. Sie ist die erste Frau, welche diesen ziemlich harten Trail alleine gelaufen ist. Genau die richtige Begleitung für mich!
Wir beschließen also ein paar Tage zusammen zu gehen.

Am nächsten Tag machen wir gleich eine Monsteretappe von mehr als 60 km. Nach all dem Schlamm der letzten Tage ist es ein Hochgenuss. Wir setzen mit dem Boot über und laufen später einige Zeit in einem Fluss. Es ist wunderschön und die ganze Szenerie erinnert mich sehr an den Film "Deliverence" oder mit dem deutschen Titel "Beim Sterben ist jeder der Erste", mit Burt Reynolds. Traumhaft!
Die Nacht verbringen wir in einem alten Wohnwagen. Nicht gerade sauber, aber was soll's. Der Besitzer ist Lehrer. Kaum zu glauben, wenn man das Chaos und die Unordnung um sein Haus herum sieht...

Die nächsten Tage führen oft über Strassen. Da hole ich mir auch eine ordentliche Blase... Immer wieder gibt es aber wieder schöne Abschnitte durch Wälder. Die Vielfalt der Pflanzen ist überwältigend.
Dank der Freude, welche "Bloody Mary" ausstrahlt und ihrer Gabe praktisch ohne Unterbruch zu reden , werden sogar die Strasseabschnitte erträglich. Ich wüsste nicht wie ich mich da gefühlt hätte, wenn ich dies alles alleine gelaufen wäre...

Da wir immer recht viele Kilometer pro Tag machen, überholen wir auch immer mal wieder jemanden. Am lustigsten wars wohl auf einem Strandabschnitt. Strand laufen, ist nur auf dem ersten Blick etwas schönes. In Wirklichkeit ist es einfach nur langweilig. Gut man kann Muscheln suchen, doch irgendwann hat man auch das gesehen. In einem Dorf beschließen wir etwas neues auszuprobieren: ich nenne es Jesus-Hiking oder eben Jesus-Wandern. Aus Wasser wurde Wein! Die erste Flasche ist leider nach 5 km schon leer. Zum Glück hat es vor dem Strand nochmals einen Weinladen... Erstaunlicherweise sind wir immer noch sehr schnell unterwegs. Die Wanderer welche wir überholen, sind etwas erstaunt über unsere gute Laune bei der eintönigen Strandwanderung...

Ein weiteres Highlight war dann eine Passage entlang der Küste, welche man nur bei Ebbe machen sollte. Wieso warten, schaut doch nicht so schlimm aus!? Zuerst geht es auch ganz gut. Doch dann schauen wir um die nächste Ecke und wissen: jetzt wirds nass! Wir müssen immer wieder durch hüfttiefes Wasser waten, wieder die Felsen hochklettern, wieder rein ins Wasser. Ein riesen Spass!
Dann wieder ein riesiger Strasseabschnitt, roadwalk. Ich pressiere, denn ich weiß, dass es eine Bucht zu überqueren gilt, welche nur bei Ebbe sicher ist. Als ich dann dort ankomme ist die Flut schon wieder am ansteigen. Ich laufe ein paar Schritte hinein und das Wasser steht mir schon bis zur Brust. Keine Chance! Das heißt wieder einen riesigen Umweg über Strassen... So wird es ein langer Tag mit über 50 km inklusive des langsamen Küstenabschnitts. Dafür gibt es am Abend etwas richtiges zu Essen. In einem guten italienischen Restaurant gönne ich mir Spagetti Bolognese und einen gemischten Salat. Ich fühle mich wie zuhause oder in Italien in einem guten Restaurant. Toll, dass man in Neuseeland sogar richtig essen kann. Kein Vergleich zu meiner Zeit in den USA auf dem AT!
Mittlerweile bin ich in Auckland angekommen. 600 km sind geschafft und es beginnt langsam richtig gut zu laufen. Im wahrsten Sinne des Wortes!

Bilder auf: www.instagram.com/putzimarc
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